Frage

Warum sehen wir Proton Mail auf dem Freiheitshandy kritisch? Liegt es an einem geschlossenen Client, an der Abhängigkeit von der Proton-App oder an der Verteilung über Google Play? Und welchen Zusammenhang gibt es zur Initiative „Keep Android Open“?

Antwort

Der Kritikpunkt ist nicht, dass die Proton-Mail-App einen geschlossenen Quellcode hätte. Die Android-App ist quelloffen und wird unter der GNU General Public License Version 3 veröffentlicht. Proton veröffentlicht den Quellcode selbst.

Für die digitale Selbstbestimmung sehen wir einen anderen Punkt kritischer: Proton Mail unterstützt unter Android keine unabhängigen E-Mail-Programme wie Thunderbird Mobile beziehungsweise K-9 Mail. Proton begründet das mit der notwendigen Ver- und Entschlüsselung der Nachrichten. Alternativ zur eigenen App bleibt auf dem Smartphone der Zugriff über den Browser.

Damit bist Du für die komfortable Nutzung von Proton Mail auf dem Freiheitshandy an Protons eigene Android-App gebunden. Genau dieser App-Zwang ist für uns der entscheidende Unterschied zu einem E-Mail-Anbieter, der offene Standardprotokolle unterstützt und Dir die Wahl des E-Mail-Programms überlässt. Du wechselst damit von einem Ökosystem in das nächste und kannst nicht frei über Deine Daten verfügen.

Warum ist die Verteilung der App wichtig?

Proton Mail ist derzeit nicht regulär über das F-Droid-Repository verfügbar. Proton nennt Google Play selbst als Standardweg zur Installation, bietet für Nutzer ohne Google-Dienste aber zusätzlich einen direkten Download der Android-Installationsdatei an.

Die Proton-Mail-App enthält Teile von „Google-Metrics“. Im aktuellen Quellcode dokumentiert Proton Sentry für Absturz- und Fehlerberichte. Eine ältere Version des Quellcodes verwendete außerdem Firebase Cloud Messaging für Benachrichtigungen. Daraus folgt aber nicht, dass die aktuelle Proton-Mail-App Google Analytics oder vergleichbare Google-Messdienste enthält.

Der grundsätzliche Kritikpunkt bleibt trotzdem bestehen: Eine quelloffene App entfaltet für den Nutzer mehr Freiheit, wenn sie auch über unabhängige Vertriebswege einfach installiert und aktualisiert werden kann.

Was hat das mit „Keep Android Open“ zu tun?

„Keep Android Open“ richtet sich gegen Googles neue Entwicklerverifizierung für Android. Google führt ab dem 30. September 2026 in ersten Ländern Anforderungen an die Registrierung von Apps und Entwicklern ein. Ab 2027 soll die Entwicklerverifizierung weltweit auf zertifizierten Android-Geräten ausgeweitet werden. Für nicht registrierte Apps sieht Google weiterhin einen erweiterten Installationsweg für erfahrene Nutzer sowie die Installation über Android Debug Bridge vor.

Die Kritik daran kommt unter anderem von F-Droid, GrapheneOS, LineageOS und zahlreichen weiteren Organisationen. Auch Proton selbst gehört zu den Unterstützern von Keep Android Open.

Der Zusammenhang liegt vielmehr in einem grundsätzlichen Problem: Wer für seine Apps dauerhaft von einem zentralen Vertriebsweg abhängig ist, gibt diesem Vertriebsweg Einfluss darauf, welche Software Nutzer einfach installieren und aktualisieren können. Googles Entwicklerverifizierung betrifft perspektivisch sogar Software außerhalb von Google Play und zeigt damit, warum unabhängige Vertriebswege wichtig bleiben.

Warum ist F-Droid wichtig?

F-Droid ist nicht nur eine alternative Oberfläche zum Herunterladen von Apps. Das Projekt betreibt ein unabhängiges Repository für freie und quelloffene Android-Software und kommt ohne Nutzerkonten aus. Nach eigenen Angaben verfolgt F-Droid seine Nutzer nicht.

Für digitale Selbstbestimmung ist das aus drei Gründen relevant:

Erstens entsteht eine Alternative zu einem einzelnen kommerziellen App-Store. Eine App kann gefunden, installiert und aktualisiert werden, ohne dass Google Play der zentrale Vermittler sein muss.

Zweitens schafft ein unabhängiges Repository eine zusätzliche Ebene zwischen veröffentlichtem Quellcode und tatsächlich installierter Software. Bei vielen Apps baut und signiert F-Droid die angebotenen Pakete selbst aus dem veröffentlichten Quellcode.

Drittens hält die Nutzung alternativer App-Stores praktisch die Möglichkeit offen, Software außerhalb der dominierenden Plattformen zu verteilen. Ein alternativer Store hilft wenig, wenn zwar alle seine Existenz begrüßen, Apps aber weiterhin ausschließlich über Google Play installieren.

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Genau deshalb unterstützt F-Droid die Initiative „Keep Android Open“ und fordert ausdrücklich dazu auf, alternative Vertriebswege tatsächlich zu nutzen.

Proton zeigt dabei eine interessante Spannung: Das Unternehmen veröffentlicht seine Mail-App als freie Software und unterstützt selbst „Keep Android Open“. Gleichzeitig ist Proton Mail unter Android nicht mit unabhängigen E-Mail-Clients nutzbar und die offizielle App befindet sich nicht im regulären F-Droid-Repository. Proton bietet allerdings einen direkten Download als Alternative zu Google Play an.

❌ Proton Mail lässt sich nicht über Droid-ify/F-Droid installieren.
❌ Es sind keine offenen Protokolle wie IMAP verfügbar.

✅ Wenn Dir digitale Selbstbestimmung wichtig ist, berücksichtige neben Datenschutz und Verschlüsselung auch, ob Du E-Mail-Programm und Anbieter frei kombinieren und Deine Apps über unabhängige Vertriebswege beziehen kannst.

Weitere Hinweise / Empfehlungen

  • Proton Mail kannst Du unter Android auch direkt als Installationsdatei von Proton beziehen; Google Play ist nicht der einzige Bezugsweg.
  • Proton unterstützt „Keep Android Open“ selbst und wendet sich damit gegen eine stärkere Zentralisierung der Android-App-Verteilung.

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